Freitag, 1. Juni 2018

Was muss ich tun?



Vor vielen Jahren habe ich in einem katholischen Krankenhaus auf der Frühchen-Intensivstation gearbeitet. Schwester Mechthild war die Stationsschwester, eine liebevolle, resolute, fähige Nonne. Bei unserer Arbeit war es üblich, dass wir mit dem Rettungswagen in andere Kliniken fuhren, um dort die frühgeborenen oder kranken Babys abzuholen. So auch in einer Nacht. Es war ein dramatischer Einsatz, schon im Kreissaal kämpften wir um das handvoll Leben, dass vor uns lag. Es wog wohl kaum 600 g, kam in der 25. Woche auf die Welt und es hatte keinen Lebenswillen. Das merkt man schnell, wenn man die Kleinen versorgt. Gemeinsam mit dem Oberarzt bereiteten wir den Transport vor. Aber es überlebte die Fahrt in die Kinderklinik nicht. 


Für Schwester Mechthild war am folgenden Morgen nur eine Sache wichtig: war das Kind getauft worden, bevor es starb. In einem so dramatischen Fall, in dem ja kein Pfarrer geholt werden konnte, war jeder Katholik autorisiert eine Nottaufe durchzuführen. Der Oberarzt bestätigte, das Kind war getauft und für Schwester Mechthild war nun alles gerettet, denn nun war das Kind bei Gott. Ich bin sicher, der Oberarzt sagte das nur, die Schwester zu beruhigen, denn ich habe weder gehört noch gesehen, wie er eine Not taufe durchführte, geschweige denn, dass dafür Zeit gewesen wäre.

Letzten Endes ist es auch völlig egal. Glauben wir Menschen denn wirklich, Gott entscheide nicht selbst, wer zu ihm darf und wer nicht? Machen wir ihn wirklich zu einer Marionette unserer Handlungen, denn die Nottaufe ist doch nichts anderes. Gott kann dieses Kind nur dann in den „Himmel“ aufnehmen, wenn wir es hier getauft haben.

Was ist es bei dir, was du nicht getan hast, oder tun musst, dass Gott handeln kann. Hast du heute Morgen noch nicht gebetet, oder in der Bibel gelesen? Na, dann kann dieser Tag ja nicht gelingen. Warst du am Sonntag nicht im Gottesdienst? Kein Wunder, dass deine Woche so schief läuft. Machen wir Gott wirklich so klein?

Glauben wir an einen großen, souveränen Gott, der die Welt geschaffen hat mit allem was darin ist, dann müssen wir auch erkennen, Gott kann ganz unabhängig davon handeln was wir tun oder nicht tun. Das hat er bewiesen, als er Jesus auf die Welt schickte. Nichts, gar nichts haben wir getan um das zu verdienen. Ein kluger Mann hat mal gesagt:

Gerechtigkeit ist, wenn man kriegt was man verdient,

Barmherzigkeit ist, wenn man nicht kriegt, was man verdient.

Gnade ist, wenn man nicht verdient, was man kriegt.

Gott ist gnädig!


Claudia

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