Freitag, 23. März 2018

Die kleine Prinzessin


Mit wackeligen Beinen steht sie auf den Beinen ihres Papas, festgehalten von seinen Armen. So in Sicherheit schaut sie neugierig und mutig in die Welt. Sie grinst mich schelmisch an und spielt Verstecken. Wenn es ihr zu viel wird kuschelt sie sich an Papas Schulter. Allerdings nur kurz, denn dann riskiert sie wieder einen Blick nach hinten zu mir. Das Spiel geht von vorne los. Ich kann nicht anders, ich muss ihr eine lange Nase zeigen und mit ihr Verstecken spielen...(Kinder machen erwachsene Menschen so oft zu Narren). Doch dann legt sie wieder ihren Kopf auf Papas Schulter. So entdeckt sie die Welt rundherum, sicher und geschützt. Doch dann geschieht das tragische: Mama, die danebensaß, steht auf und geht. Und nun ist das kleine Mädchen alleine mit ihrem Papa. Die heile Welt gerät aus den Fugen, und schon fließen die Tränen. Eine Welt bricht zusammen! Doch Papa ist die Rettung. Auf seinen starken Armen trägt er die kleine Prinzessin der Mama hinterher. Die Balance des Universums ist wieder hergestellt und die Kleine kann nun weiter die Welt entdecken. Diesmal an der Hand des Papas, der sich bereitwillig überall dorthin dirigieren lässt, wo sie etwas zu entdecken wähnt. Wenn sie ganz mutig wird, dann lässt sie sogar Papas Hand los und erforscht alleine ihre Umgebung. Doch immer wieder geht ihr Blick zurück zu den Eltern. Auch die Beiden haben ihre kleine Tochter im Blick, bereit einzugreifen, wenn Gefahr droht.

Ach wie schön ist doch so ein Kinderleben, wie gut wenn es so eingebettet ist in Liebe und Fürsorge. Aber wie schwer ist es doch dann wenn wir längst keine Kinder mehr sind und unser Leben selbst in die Hand nehmen müssen. Dann stehen wir alleine, ohne die helfende Hand des Papas und der Mama...oder?

Wie wäre es, wenn wir als erwachsene, mündige Menschen genau das erleben könnten, was dieses Kind tagtäglich erfährt? Nun, vielleicht meinen wir, das ginge nicht. Schließlich sind wir ja dazu erzogen worden unser Leben alleine meistern zu können, selbst zu denken, selbst zu entscheiden, unsere Wege selbst zu gehen. Kurz, wir leben ein selbstbestimmtes Leben. Genau dieses selbstbestimmte Leben ist unsere Freiheit, oder?

Meine Freiheit ist es nicht. Ich bin froh und dankbar, dass ich genau das erfahren kann, was dieses kleine Mädchen erlebt. Ich kann an der Hand meines Vaters durch meine Tage gehen. Nein, Gott nimmt mir nicht mein Denken ab, er nimmt mir nicht meine Arbeit ab, er nimmt mir nicht die Begegnungen mit schwierigen Menschen ab. Ich denke, ich entscheide, ich lebe. Doch egal was und wo, ich bin nie alleine. Auch wenn es für andere so aussieht.

Claudia

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