Sonntag, 13. März 2016

Sonderbarer Lobpreis

Wie viele Lieder und Melodien gibt es wohl auf dieser Welt? Unzählbar viele, denke ich. Und wie viele davon sind Lobpreislieder zur Ehre unseres Herrn? Ein Teil von unzählbar. Auf jeden Fall auch sehr viele. Dass man mit ein paar Noten so viele Melodien komponieren kann, ist für mich ein Wunder.
Das Wesen von Musik ist für mich auch ein Wunder. Sie geht tief, trifft ins Herz, lässt mich singen und schwingen. Wie Gott das wohl mit dieser Musik gemacht hat, dass sie für uns Menschen so elementar wichtig ist?

So hatte ich einen ganz komischen Stress. Einen Lobpreis-Stress. Es gibt so viele schöne Lieder, alles kleine Perlen und ich möchte sie alle hören, mir behalten und singen. Ich möchte am liebsten zu jedem Lobpreisabend, aber da gibt es wieder neue Lieder. Ich kann mich leider auch nicht entscheiden, was mir besser gefällt: Die alten Paul Gerhard-Lieder sind so wunderbar, Gospels sind genial und Albert Frey ist ein großer Lobpreiser und, und, und. Ich bin sogar ein Fan von den Kinderliedern. Wie oft summe ich: „Sei ein lebend‘ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom (schwimm, schwimm, schwimm.)“

Letzte Woche hatte ich ein sehr rührendes Erlebnis, was mich über all das hat nachdenken lassen.
In unserer Gemeinde gibt es einen Besuchsdienst für ältere Geschwister, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in die Gemeinde kommen können. Ich bin nicht in diesem Dienst, habe aber dort eine Freundin, die mich mitgenommen hat. Sie besucht eine Frau, die seit vielen Jahren schwer dement ist. Diese Frau hat alles vergessen, selbst die nächsten Angehörigen erkennt sie nicht mehr. Meine Freundin geht regelmäßig zu ihr mit dem Gesangsbuch unter dem Arm. Und nun kommt das Verblüffende: Diese Frau, die von nichts mehr weiß, singt. Sie singt: "Harre, meine Seele!", "Stern, auf den ich schaue!", "Jesu, geh voran!" und noch einiges mehr. Sie kann die Texte und Melodien. So sitzen wir zu dritt in einem kleinen Zimmer im Altenheim und singen: „So nimm denn meine Hände!“ und ich denke: Was für eine Gnade ist das denn? Wenn alles um einen dunkel wird, man aber noch diese Lieder singen kann. Das möchte ich auch. Und so habe ich meine Strategie geändert. Ich will nicht mehr ganz viele Lieder kennen, sondern wichtige Lieder auswendig können, sie mir verinnerlichen. Denn wenn es bei mir dunkel wird, will ich auch singen: "Jesu, geh voran".

Heide

1 Kommentar:

  1. Ja, wie wunderbar!!! Jesus bleibt! Das durftest du ganz direkt (mit)erleben! Danke fürs Teilen! Kathrin

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