Mittwoch, 20. Januar 2016

Was wir von der Sandkrabbe lernen können

Während meiner Skoliose-Reha in Bad Sobernheim besuchte ich sonntags eine kleine freie evangelische Gemeinde im Ort. An einem Sonntag predigte ein Gastprediger über Kolosser 3, Vers 1-2: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!“

Als anschauliches Beispiel erzählte er von einem Tierversuch mit einer Sandkrabbe. Die Sandkrabbe häutet sich mehrmals im Jahr und Tierforscher haben beobachtet, dass sie nach der Häutung orientierungslos im Wasser taumelt. Nach einiger Zeit stopft sich die Krabbe Sand vom Boden in die Gehörgänge und kann sich wieder orientieren, sie weiß wieder, wo oben und wo unten ist. In dem Tierversuch tauschte der Forscher den Sandboden mit feinen Metallspänen aus. Tatsächlich stopfte sich die Sandkrabbe diese Metallspäne in ihre Gehörgänge (wie gemein). Danach legte der Forscher Magnete auf den Deckel des Aquariums, die die Metallspäne anzogen. Die Sandkrabbe dachte daraufhin, unten sei oben und schwamm bäuchlings zur Decke gewandt, weil sie oben für unten hielt.

Was hat das Beispiel  mit unserem Text zu tun, werden sich manche fragen?
Wie oft "stopfen" wir uns den "Müll der Welt" in unsere Ohren (Nachrichten aus Timbukto oder Niederhinteroberstein) -  bis unsere Hörorgane randvoll gefüllt sind. Unsere Gedanken kreisen um das Liebesleben des Bergdoktors oder den letzten Tatort. Wir nehmen wahr, viel zu viel, was "unten" ist. Es gibt so viel, was uns beschäftigt, ablenkt und wir lassen es immer wieder zu. Anstatt unsere Ohren mit dem zu füllen, was "droben" ist: Nachrichten aus dem Himmel, Emails von Gott, einen Termin für ihn in unserem gefüllten Kalender frei halten.
Wer hören will, was "droben" ist, muss teilweise seine Ohren verschließen vor dem was "unten" ist:  bewusst weg hören, Stille aushalten, einen Tunnelblick einnehmen, sich schützen vor der Reizüberflutung.
Und dennoch möchte ich nicht taub werden für meine Mitmenschen, ein offenes Ohr haben für Menschen, die einen Zuhörer brauchen, die orientierungslos, wie die Sandkrabbe nach der Häutung, durch das Leben taumeln. Das ist und bleibt täglich eine große Herausforderung für mich. Denn wir sind Bewohner zweier Welten, der realen Erde mit all ihren Herausforderungen, dem "Unten" und unserem himmlischen Zuhause, in dem wir wohnen dürfen seit wir „mit dem Christus auferweckt worden sind“, dem "Droben".

Diesen Text habe ich mir in meinen Bibelleseplan für 2016 geschrieben, damit ich immer wieder erinnert werde, himmelwärts zu blicken und zu leben.

Übrigens: Der Sandkrabbe geht es gut :-).

Heidi

1 Kommentar: